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By Christian Bommert

Wer die künstlerische Entwicklung des Malers, Filmemachers, Dra­ matikers und Schriftstellers Peter Weiss beschreiben will, wird rasch erkennen, warum seine ästhetische Praxis in solchem Maße mit dem Surrealismus korrespondieren konnte. Schon der flüchtige Blick auf das frühe bildkünstlerische Schaffen findet Anhaltspunkte dafür, wa­ rum sich Weiss der Pariser Avantgarde eng verbunden gefühlt haben muß, als er sich ihr später bewußt zuwandte. So kann guy vielen Jugend-Bildern bereits den Protest gegen jene technokratische Ra­ tionalität entnehmen, die im Brennpunkt der surrealistischen Kritik stand. Auch die Betonung des Phantastischen oder die mitunter er­ kennbare Vermischung von Traum und Realität deuten auf typische surrealistische KunstmitteL Mit seinen späteren Collagen knüpft er schließlich unübersehbar an die Arbeiten von Max Ernst an. Weiss hat sich auch mit den programmatischen Ansprüchen der Sur­ realisten, für deren Formulierung ihr Wortführer Breton immer wie­ der gesorgt hat, eingehend auseinandergesetzt Deren nähere Be­ trachtung und Weiss' Bezugnahmen erhellen, wie wichtig die Aus­ einandersetzung mit dieser culture für seinen Weg in die ästhe­ tische Modeme gewesen ist. Hierbei kommen allerdings Zweifel auf, ob es hilfreich ist, Weiss zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Ent­ wicklung (etwa in den fünfziger Jahren) als einen "Künstler" zu be­ schreiben, der potentiell der surrealistischen Gruppe zugehörte. Da­ gegen spricht vor allem die unmittelbare Selbstbezogenheit seiner frühen Äußerungen, denen die gesellschaftliche Perspektive ganz nine fremd battle. Es ist nicht zu verkennen, daß Weiss seinen individu­ ellen Horizont anfänglich nie überschreitet.

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Zur Elementaranalyse der Relativitätstheorie: Einleitung und Vorstufen

Inhaltsübersicht. - I. Einleitung. - II. Die Bedeutung der „Grundlagen“ in der Auffassung Hilberts und Einsteins. - III. Erörterung einiger Vorfragen zu den Darlegungen Weyls. - IV. Das challenge des Augenblicks. - V. Das challenge des Ortes. - VI. Das challenge der Bewegung, des zugehörigen Zeitverlaufs und der Wegbahn.

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Die Wirklichkeit verschwimmt. Das Unwirkliche der Situation in der Küche ist mit rationalen Mitteln nicht auszuräumen. Die erhoffte Klärung, "aus der sich die bevorstehenden Schritte ableiten ließen" (I, 169- so ein späteres Resümee) steht noch aus. Unvermittelt mischen sich nun phantastische Elemente in den Erzählbericht. Das Ich ist offenbar in Halbschlaf gesunken. Unter dem auseinanderreißenden Linoleum arbeitet sich eine Hand zwischen Dielenbrettern und Mörtel hervor, die es als die seines Vaters wiederzuerkennen glaubt.

Trotz des äußerlich unveränderten Textbilds und trotz des gleichbleibenden Tonfalls verändert sich die Betrachtungsweise des Ichs. War der Leser bislang an einen Erzähler gewöhnt worden, der von dem ihn umgebenden Geschehen detailliert Bericht erstattete, so mischen sich nun unversehens Halluzinationen in seine Rede. Dies irritiert um so mehr, als zunächst weiterhin die sachliche, präzise Beschreibung fortgesetzt wird. Noch einmal wird das Datum in Erinnerung gerufen, mit dem die Handlung einsetzt; die Ausführungen verweisen auf ein Ich, das sich möglichst exakt seine Lage vor Augen führen möchte.

Durch ihre Impulse kombinierten sich die Bilder zu neuen, fremdartigen Szenen. " (Nb, 819) Darauf also laufen die Differenzen hinaus: Freud glaubt, daß das Unbewußte letztlich nichts enthalten könne, was nicht aus dem Bewußten verdrängt, durch eine Abwehrreaktion gegen die Unlusterfahrung gleichsam aus dem Blickfeld geschoben wurde. Mehr als die aus der Kindheit rührenden (durch die Traumarbeit immerhin oft ins Phantastische gewendeten), zurückliegenden Wunschbilder vermag er nicht zu rekonstruieren.

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